Das war der April 2020



28. April 2020
Die Corona-Pandemie, die Berichterstattung darüber und die Diskussionen dazu gehen mir immer mehr auf die Nerven. Dass unsere Politiker ständig irgendwelchen Blödsinn in die Welt hinaus posaunen, ist eigentlich klar. Aber dass auch die seriösen Nachrichten das alles quasi ungefiltert weiter geben, stößt mir jeden Tag mehr auf. Ich weiß nicht, ob die Journalisten keine Lust haben nachzudenken, oder ob sie einfach nur möglichst viele spektakuläre Meldungen heraus geben wollen.
Auf der Seite der Tagesschau steht im Moment ein Artikel, in dem kritisiert wird, dass das Robert-Koch-Institut für die Reproduktionszahl R ständig andere Werte heraus gibt. Mittlerweile hat wahrscheinlich jeder Trottel mitbekommen, dass ein R-Wert von unter 1 bedeutet, dass die Krankheit zurück geht und ein Wert von über 1 heißt, dass sich die Krankheit stärker ausbreitet. Unsere Kanzlerin hatte das neulich schön erklärt, quasi auf Sendung-mit-der-Maus-Niveau. Und dementsprechend sind jetzt viele Leute an diesem Wert interessiert.
Im Moment gibt das RKI jeden Tag einen Bericht heraus, in dem sie den R-Wert veröffentlichen. Und das machen sie, wie man das halt macht für statistische Werte: Sie geben den Wert an und dazu ein Konfidenzintervall. Im heutigen Bericht steht dort z.B. R=0,9, 95%-Konfidenzintervall: 0,7-1,0. Bei der Unsicherheit, denn nichts anderes ist das Konfidenzintervall,gibt man den Wert mit einer Nachkommastelle an, also 0.9. Das ist eigentlich jedem klar, der sich auch nur mal halbwegs ernsthaft mit Statistik beschäftigt hat.
In den letzten Tagen wurden die folgenden Werte angegeben:
24.4.: 0,9 mit 0,7 - 1,1 als Fehler
25.4.: 0,9 mit 0,7 - 1,1 als Fehler
26.4.: 0,9 mit 0,8 - 1,1 als Fehler
27.4.: 1,0 mit 0,8 - 1,1 als Fehler
28.4.: 0,9 mit 0,7 - 1,0 als Fehler
In meinen Augen ist das ein ziemlich konstanter Wert irgendwo knapp unter 1. Eine Diskussion darüber, ob wir jetzt knapp unter oder knapp über der 1 liegen, erscheint mir hier im Moment wenig sinnvoll. Dazu ist das Konfidenzintervall einfach ein wenig zu groß. Wenn also jetzt über eine Lockerung der Maßnahmen gesprochen wird, ist das sehr riskant, solange man den Wert nicht klar unter 1 hat.
Der Beitrag der Tagesschau kritisiert nun, dass das RKI gestern noch einen Wert von 1,0 heraus gegeben hat, während vorgestern der Wert noch bei 0,9 war und auch heute wieder dort ist. Sofort werden auch wieder ein paar Politiker angerufen, die in diese Kritik gerne einstimmen. Schließlich ist es doch wichtig, dass der Wert unter 1 bleibt.
Das Springen ergibt sich durch das Runden auf eine Nachkommastelle. Sonst ist da nichts hinter. Das Konfidenzintervall, also der Bereich, in dem der Wert ziemlich sicher liegt, ändert sich nicht wirklich. Da ist kein Effekt, den man diskutieren müsste. Ist es denn wirklich zu viel verlangt, dass sich die Journalisten einmal kurz hinsetzen und richtig in die Berichte schauen? Sie könnten dann ja auch noch zur Sicherheit jemanden fragen, der sich zumindest ansatzweise mit Statistik auskennt, bevor sie irgendwelchen Blödsinn in die Welt setzen.
Diejenigen, die sich im Moment auf den Standpunkt stellen, dass die Informationen der Fachleute schlecht sind und sie deshalb einfach irgendwelche Entscheidungen treffen können, werden durch solche Diskussionen noch bestätigt. Die Informationen der Fachleute sind nicht schlecht, sie werden auch nicht schlecht von ihnen kommuniziert. Unsere Vorleser (die Journalisten) können oder wollen nur nicht richtig lesen. So etwas sorgt echt für schlechte Laune bei mir. Und von schlechter Laune habe ich im Moment eigentlich mehr als genug.

25. April 2020
Die erste Arbeitswoche ist schon vorbei, und sie war anstrengend. Es gab direkt wieder viel zu organisieren und zu tun. Das Springen zwischen den Projekten macht das alles nicht einfacher. Und die Kollegen sind nach wie vor weit verteilt, sodass für jede kleine Absprache direkt Skype oder Teams verwendet werden muss.
Einige von meinen Kollegen sind hauptsächlich per Skype erreichbar, andere per Teams. Also habe ich beide Kanäle offen. Und obwohl beide Programme mit meinem Microsoft-Konto arbeiten, sprechen sie nicht miteinander. Wenn ich also in Skype spreche, zeigt Teams mich als frei an, und umgekehrt. Dementsprechend kommt es häufiger vor, dass mich mehrere Kollegen gleichzeitig erreichen wollen und ich dann zusehen muss, dass ich einen davon möglichst höflich abwimmeln kann. Ideal ist das nicht, zumal sich die Kollegen eigentlich nur dann bei mir auf diesem Weg melden, wenn sie mich dringend erreichen müssen. Dieses ganze Gespringe sorgt bei mir für Stress und am Ende des Arbeitstages bin ich im Moment auch wirklich froh, dass Feierabend ist.
Hinzu kommt noch, dass unsere Kantine geschlossen ist. Also gehe ich mittags zum Bäcker und hole mir dort ein Brötchen oder etwas in der Art. Was warmes gibt es dann frühestens abends, aber in der letzten Woche hatte ich auch mal zwei Tage ohne warmes Essen. Das bin ich nicht gewohnt und ich weiß auch noch nicht, ob ich mich daran gewöhnen möchte.
Wenn ich dann zu Hause direkt den ersten privaten Anruf bekomme, ist meine Laune dabei aus den eben genannten Gründen eher schlecht. Ich fürchte, das merkt man am Telefon. Aber ich kann das aktuell leider nicht komplett abstellen. Ich hoffe immer noch, dass ich mich besser an diese Situation gewöhnen kann, denn ich glaube nicht, dass sich das allzu bald ändert.
Auf der positiven Seite: Ich bin gesund und habe nach wie vor Arbeit bei vollem Gehalt. Das ist in der jetzigen Situation auch nicht ganz selbstverständlich. Schönes Wochenende.

17. April 2020
Heute ist schon mein letzter Urlaubstag. Ich hatte mich gerade erst daran gewöhnt.
Meine freien Tage habe ich hauptsächlich zu Hause verbracht. Ich war zwar mit dem Auto kurz in der Werkstatt, um die Reifen wechseln zu lassen, und ich war auch mal zwischendurch mit dem Fahrrad an der Packstation, aber meistens habe ich zugesehen, dass ich niemandem begegne. Stattdessen scanne ich jetzt uralte Dias von meinem Großvater ein.
Mit uralt meine ich vierzig bis fünfzig Jahre. Das eine oder andere scheint noch älter zu sein. Die Dias sind nicht wirklich sortiert und die zeitliche Zuordnung wird noch einmal ein schönes Stück Arbeit werden. Aber erst einmal sehe ich zu, dass ich die Dias digitalisiert bekomme. Bei erstaunlich vielen gelingt das auch noch in einer ansprechenden Qualität, wie ich finde.

10. April 2020
Der Start in meinen Urlaub gestern verlief ganz nach meinem Geschmack. Gut, dass ich doch nicht schön früh Feierabend machen konnte, war nicht ganz perfekt, aber ich musste auch nicht länger machen als sonst. Von der Arbeit aus bin ich dann direkt zur Packstation gefahren und habe mir ein neues Fotobuch abgeholt. Vom Ergebnis bin ich wirklich beeindruckt. Die zwanzig Jahre alten Fotos sehen auf dem Hochglanz Fotopapier richtig gut aus und viele Bilder haben so kräftige Farben wie meine modernen Digitalfotos. Dass die Bilder richtig gut sind, wusste ich schon von der Betrachtung am Bildschirm, aber dass sie dann auch im Fotobuch so gut aussehen, hätte ich echt nicht erwartet.
Jetzt steht ein ruhiges Osterfest an. In den letzten Jahren war ich zu Ostern fast so viel unterwegs wie an Weihnachten, aber dieses Jahr fällt das aus. Das ist natürlich etwas schade, aber andererseits bin ich im Moment auch wirklich erschöpft und kann die ruhigen Tage gut gebrauchen. Dementsprechend freue ich mich jetzt auf die Feiertage und meine anschließende Urlaubswoche.

5. April 2020
Nach wie vor habe ich so gut wie kein Sozialleben. Der Sport ist weiterhin untersagt und die Dorfbrennerei hat auch geschlossen. Das Wetter könnte man aktuell als Zoowetter bezeichnen, aber die Zoos sind auch zu. Die meisten Geschäfte sind ebenfalls geschlossen und die Lebensmittelgeschäfte, die offen sind, tun alles um die Kunden auf Abstand zu halten. Ich bin also weiterhin viel zu Hause.
Mein Diascanner läuft noch, aber bald habe ich alle meine Bilder digitalisiert, die ich in der Form haben möchte. Dann kommen noch ein paar Kästen mit Dias von meinem Großvater und ich habe hier noch Dias von meinem Bruder stehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dieses Projekt noch abschließen kann, bevor mein normales Leben wieder zurück kehrt.
Von Fuji kam ein neuer Gutschein und deshalb habe ich heute mal ein Fotobuch aus den eingescannten Dias gemacht. Ich bin echt gespannt, wie das dann aussehen wird. Am Monitor bin ich von vielen Bildern noch immer sehr begeistert, aber der eigentliche Test wird das Buch sein. Ich hoffe, dass die Bilder auf dem Fotopapier so kräftige Farben haben, wie meine Digitalfotos, die ich sonst dafür verwende.
Mein erstes Album habe ich übrigens "Kreuzfahrt auf Staatskosten" genannt. Es enthält die Bilder aus meiner Zeit bei der Marine.